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Vitamin K2
Das Vitamin K1 ist gut bekannt und ist ein wichtiger Bestandteil der Blutgerinnung. Diese wird bekanntlich durch Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcumar) gehemmt. Das Vitamin K1 und K2 wurden fast gleichzeitig ca. 1930 entdeckt. Über die Wirkung von K1 wurde verstärkt geforsch und sogar 1943 der Nobelpreis verliehen. Das Vitamin K2 geriet dabei in Vergessenheit.
Die Funktion von Vitamin K ist die Aktivierung verschiedener Eiweiße (Enzyme) im Körper. Hier unterscheiden sich die beiden Vitamine. Vitamin K1 ist eben in erster Linie für die Blutgerinnung verantwortlich, Vitamin K2 steuert den Kalziumeinbau in den Knochen bzw. hemmt den Kalziumeinbau im Gewebe. Hier ist das Osteocalcin erwähnenswert. Es wurde 1975 entdeckt, wird von den knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) und zahnbildenden Zellen (Odontoblasten) gebildet und sorgt dort für die Einlagerung von Kalzium. Ein weiteres Eiweiß, das durch Vitamin K2 aktiviert wird ist MGP (Matrix Gla Protein). Es findet sich im gesamten Körper, besonders im extrazellulären Bindegewebe (Herz, Blutgefäße, Nieren, Lunge etc. MGP hemmt im Gegensatz zu Osteocalcin den Kalziumeinbau und hemmt damit zum Beispiel die Verkalkung von Blutgefäßen.
Dieses wichtige Zusammenspiel der beiden Enzyme und die fehlende Aktivierung durch Vitamin K2 erklärt die erschreckende Erkenntnis, das bei einer Einnahme von Kalziumpräparaten zur Vorbeugung gegen Osteoporose eine Zunahme von Arteriosklerose und Herzinfarkten eingetreten ist (Calcium supplements with or without vitamin D and risk of cardiovascular events. Volland et al. BMJ 2011 Band 342). Durch einen Mangel an Vitamin K2 wird Kalzium somit nicht in den Knochen eingebaut und da die Hemmung im Bindegewebe nicht unterdrückt wird kommt es zu einer ungewollten Verkalkung in diesen Geweben.
Somit ist es offensichtlich das Vitamin K2 ein wirksamer Schutz vor Osteoporose ist. Aber auch für die Zahngesundheit. Die Odontoblasten bauen Kalzium in den Zahn ein und können Karies reparieren. Dies ist besonders wichtig für Jugendliche im Wachstumsalter aber auch für Schwangere, die ihren Kindern eine gute Grundlage für gesunde Zähne geben möchten.
Der Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Vitamin K2 und dem Herzschutz wurde in einer großen Bevölkerungsstudie (Rotterdam-Studie, 2009) deutlich gezeigt. Noch am Anfang sind Untersuchungen über die Zusammenhänge von Vitamin K2 und Krebs, Nierenerkrankungen, Alzheimer, Rheuma. Dieses sind häufige Probleme bei älteren Menschen. Daher ist auch hier eine gute Versorgung mit Vitamin K2 wichtig.

Wie können wir Vitamin K2 aufnehmen?
Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin. Unsere Darmbakterien sind teilweise in der Lage Vitamin K zu produzieren und damit den Körper zu versorgen. Das Vitamin K1 für die Blutgerinnung findet sich in pflanzlichen Lebenmitteln. Vitamin K2 mehr in tierischen Quellen. Vitamin K2 gibt es in verschiedenen Varianten. Die Variante MK-4 findet sich hauptsächlich in Fleisch. Die Variante MK-8 und MK-9 in fermentierten Nahrungsmitteln wie Käse und Quark. Auch Hühnerfleisch und Eier können, regional unterschiedlich, Vitamin K2 enthalten, da dieses den Tieren oft zugefüttert wird. Die aktivste Form des Vitamin K2 ist die Variante MK-7. Diese findet sich in hoher Konzentration in Natto, einer japanischen Spezialität, die aus Sojabohnen mit Hilfe von Reisstroh hergestellt wird. Übrigens hat nur natürliches Vitamin K2 die schützenden Eigenschaften, künstliches Vitamin K2 hat nicht ausreichende Effekte. Weiterhin ist die Zufuhr von Vitamin K2 als Nahrungsergänzungmittel möglich, hier ist eine Kombination mit Vitamin D am sinnvollsten.

Eine Überdosierung ist bei gesunden Menschen nicht möglich, da der limitierende Faktor die Menge der zu aktivierenden Proteine ist. Einnahme von Antibiotika (Zerstörung von Darmbakterien), Arzneimittel gegen Epilepsie oder bestimmte Schmerzmittel (Salicylate) führen zu einem Vitamin-K-Mangel. Protonenpumpenhemmer gegen eine Übersäuerung des Magens (z. B. Pantoprazol, Omeprazol) fördern ein Bakterienwachstum im Darm und damit evtl. zu einer Erhöhung der Vitamin-K-Konzentration. Bei der Einnahme von Blutgerinnungshemmern wie Marcumar ist bei eienr zusätzlichen Einnahme von Vitamin K2 besondere Vorsicht geboten und erfordert eine Rücksprache mitdem behandelnden Arzt und eine Kontrolle der Blutgerinnungsparameter.